Der Freischütz

Im 1821 uraufgeführten Freischütz prallt der Drang nach Erhalt von Heimat, Tradition und christlichen Werten auf den Beginn einer „neuen Zeit“. Wie die Figuren, so scheint auch Webers Musik gespalten zwischen moderner Musiksprache und traditionellen Formen.
Der Freyschütz
nach Carl Maria von Weber und Friedrich Kind
Ein Projekt von Andreas Bode und Titus Engel
Eine Produktion von Andreas Bode in Koproduktion mit Kampnagel Hamburg.
Max, einer der beiden Lehrjungen in Cunos Försterei, steht einen Tag vor seiner Hochzeit mit dessen Tochter Agathe. Damit sie seine Frau wird , muss er nach alter Tradition einen Probeschuss absolvieren, der ihn bei Erfolg gleichzeitig zum Erben der Försterei macht. Max ist der Liebling Cunos, trifft jedoch längst nicht mehr so gut wie früher und versagt bei jedem sportlichen Wettschießen mit seinem Kollegen Caspar. Dieser hat, obwohl in der Erbfolge an erster Stelle, auf das materielle Glück verzichtet. Er bewegt sich in der Art eines Freigeistes zwischen dem heimatlichen Küchentisch und der „Wolfsschlucht“ , einem Ort der Gesellschaftlichen Tabus und damit des Bösen. Mit seinem Verbündetem, Samiel, gelingt es ihm, Max in die Wolfsschlucht zu locken, um dort die magischen und von der Gesellschaft als illegal abgestempelte „Freikugeln“ zu gießen. Max tritt diese Reise zur Begegnung mit seinen eignen Ängsten an, und verläßt die Wolfsschlucht als gestärkter, erwachsener Mann. Mit dieser Kraft glaubt er auf das gesellschaftliche Ritual des Probeschußes und auf das Jägerleben verzichten zu können und setzt auf sein persönliches Glück auf Agathe. Die fesseln der Tradition und die Ängste, diese hinter sich zu lassen jedoch sind stärker. Er kann Agathe nicht davon überzeugen, einen anderen, als den für beide vorgesehenen Weg zu beschreiten. So kommt der Tag des Probeschußes. Max kann die in der Wolfsschlucht gewonnene Freiheit nicht verteidigen, wird von den Jägern zurückgeholt und hat keine Chance mehr zu schießen. Der anreisende Fürst Ottokar versäumt die Aussöhnung der Generationen. Selbst der therapeutisch veranlagte Eremit kann diese Bewegung nicht aufhalten.
In der Romantik, in der die Aufklärung bereits seid einigen Jahrzehnten begonnen hat, die Religiösen Fundamente der Gesellschaft zu sprengen, wurde 1821 der „Freischütz“ uraufgeführt . Der im Stück formulierte Drang nach dem Erhalt von Heimat, Tradition und christlichen Wurzeln prallt auf den Beginn einer „neuen Zeit“. Dieser Konflikt spiegelt sich in auch den Seelen der Figuren der Oper wieder. Er führt dazu, daß eine Generation reaktionär an alten Werten fest hält, und dabei droht, eine junge Generation in eine bereits verlorene Vergangenheit zurück zu reißen.
Dieser Konflikt spiegelt sich im Text aber vor allen Dingen auch in der musikalischen Struktur des Werkes wieder. Webers Musik scheint gespalten zwischen den Klängen einer modernen Musiksprache und traditionellen, dem Liedgut und der Kirchenmusik entlehnten Formen. Unsere Interpretation versucht in der inhaltlichen wie auch in der musikalischen Bearbeitung dieser Bewegung Rechnung zu tragen.