Hamburger Abendblatt, 10.12.2005
Gerangel um Don Giovanni
Mozart-Oper auf Kampnagel
Frauen sind für ihn eigentlich alle Luft. Schade nur, daß Don Giovanni ohne Luft nicht leben kann. Mitunter ist es ganz schön stressig, immer den großen Verführer spielen zu müssen. Weil seine Herzdamen sich zwar flach-, aber nicht ablegen lassen wollen. Und so macht er sich und den Frauen weiter etwas vor. Als er dem Tod ins Auge sieht, treibt er das Spiel immer toller und wird vom Schicksal bestraft.
Regisseur Andreas Bode hat aus Mozarts Oper ein launig überdrehtes Kammerspiel gemacht. Die Bühne (Michael Schaltenbrand): ein Laufsteg, auf dem die Figuren ihr selbstverliebtes, exzentrisches, verlogenes Liebesspiel (über-)treiben. Umgeben von einem Blumenmeer (die Liebe verblüht ja mitunter so schnell wie eine Schnittblume), das sich mal als bunter Liebes- und mal als fahler Irrgarten mit Grabesstimmung entpuppt. Im Hintergrund ein Spiegel, in dem alle die Wahrheit sehen könnten.
Bode setzt auf die Figuren und macht ihre inneren Konflikte exzessiv sichtbar. Das gelingt ihm, weil er mit Daniel Ochoa (Don Giovanni), Lars Grünwoldt (Leporello), Evelina Dobraceva (Donna Anna), Catrin Kirchner (Donna Elvira), Olivia Stahn (Zerlina), Jung Kee Ahn (Don Ottavio), Till Schulze (Masetto) und Dong-Won Seo (Komtur) exquisite Sänger-Schauspieler hat. Und weil die für Kammerorchester bearbeitete Partitur (Titus Engel, Tobias Schwencke) die Widersprüchlichkeit der Figurencharakteristik originell ironisiert.
Schade nur, daß das Ensemble Resonanz und die Sänger nicht immer zusammenfanden. Und daß das Bühnenspiel manchmal ins etwas zu Lächerliche abzurutschen drohte. Weniger wäre etwa bei den Rangeleien zwischen Zerlina und Masetto mehr gewesen. Insgesamt aber ein sehr amüsanter Abend.
Bettina Brinker