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dpa 13.03.2007
Regietalent Andreas Bode mit neuer Sicht auf die Oper
Hamburg (dpa) Oper einmal anders. Der Hamburger Regisseur Andreas Bode feiert seit drei Jahren auf Kampnagel mit seiner neuen Sicht auf Musiktheater-Klassiker einen Erfolg nach dem anderen: «Der Freischütz» (2004), «Don Giovanni» (2005) und zuletzt «L’Orfeo» (2006).
In der Kampnagel-Reihe «Bayreuth war gestern» ist der 34-jährige Shooting-Star wieder dabei und inszeniert am 14. März mit «Drei Einakter» erstmals zeitgenössische Musik: Mauricio Kagels «Der Tribun» und die Uraufführungen «Fabularium Animale» von Silvio Foretic und «Pinguine» von Zoran Juranic. Bis zum 24. März läuft das Kampnagel-Programm mit modernem Musiktheater noch.
Was ist so anders an Bodes Umgang mit der traditionellen Kunstform Oper? Der Verführer Don Juan streift durch ein Blütenfeld und pflückt Blumen wie Frauen. Sänger buddeln sich aus Erdhügeln heraus. Auch greift der Dirigent rabiat ins szenische Geschehen ein und versieht schon mal auf dem Rücken liegend seinen Dienst. Zu allem Überfluss schrillt noch eine E-Gitarre im altehrwürdigen «L’Orfeo».
Ist Bode ein Opern-Schocker oder -zerstörer? Im Gegenteil. Der besonnen und sensibel wirkende Intellektuelle versteht sich weder als das eine noch das andere. Aber er setzt sich entschieden über gängige Formen und Hierarchien im konventionellen Opernbetrieb hinweg. Bode inszeniert Oper nicht als opulentes Dekorationsstück für Superstimmen, sondern aus seiner heutigen Sicht: Indem er nach dem authentischen Kern der Figuren sucht, sich an Strukturen in der Musik und nicht nur an der zu erzählenden Geschichte orientiert.
Auch hebt er die Grenzen des Orchestergrabens zwischen Publikum und Sängern auf, rückt Oper hautnah heran. Ursprünglich wollte der geborene Münchner Jazzmusiker werden. Dann studierte er Musik und Komposition bei Dietmar Schermann in Wien, wechselte nach Hamburg zum Studium der Musiktheater- und Schauspielregie, wo Christof Nel sein wichtigster Lehrer war.
«Über die Musik fand ich den Weg zum Theater.» Und über das Theater wieder zurück zur Musik. «Ich musste feststellen, dass der Schauspielbereich in der Oper unterbelichtet ist», meint er, will aber das Regietheater nicht auf die Oper übertragen, stattdessen den Sänger befreien. «Sie haben am meisten Angst davor, nicht gehört zu werden», erklärt Bode. «Aber wenn dieses Geschrei anfängt, werde ich ungemütlich.»
Er wünscht sich ehrliche Darsteller, die auch den Mut haben, sich verletzlich zu zeigen. Meistens sind es doch die jungen Künstler, die so etwas riskieren. Catrin Kirchners packender, stimmlich exzellenter Orpheus gibt dafür ein Paradebeispiel. Aber ohne Bodes musikalische Partner - Arrangeur Tobias Schwencke, Dirigent Titus Engel und das Ensemble Resonanz - ist sein Erfolg gar nicht denkbar.
Engel trägt seine Konzepte mit. «Er ist ein offener Geist», bestätigt Bode. «Er weiß, was die Musik will, was die Szene verlangt und wohin er will.» So tolerierte er für «L’Orfeo» die E-Gitarre als Instrument des Sängers. Trotzdem hält Bode es für falsch, die Oper in Richtung Schauspiel zu treiben. «Die Musik und die Stimme des Sängers sind das goldene Zentrum.»