03. Juni 2008
URAUFFÜHRUNG AM 6.6.08 UM 20 UHR
KANN HEIDI BRAUCHEN, WAS ES GELERNT HAT ?
Szenisches Musikpanorama für 12 MusikerdarstellerInnen
Leo Dick/Tassilo Tesche/Felizitas Ammann
Eine Produktion im Rahmen des »Fonds Experimentelles Musiktheater«
Eine gemeinsame Initiative vom NRW Kultursekretariat Wuppertal und der Kunststiftung NRW in Zusammenarbeit mit dem Theater Bielefeld
Das arme Tröpfli! // Es kann wirklich nicht lesen! Was hat es denn aber gelernt? // Wir sind fürchterlich getäuscht worden. // Ist das Kind einfältig oder schnippisch? // Dieses Kind ist nicht für ein Leben in der Fremde gemacht! // Aber wo ist das Unheil bringende Ding hin?
Johanna Spyris Heidi – das sind schneebedeckte Berggipfel vor blauem Himmel, fröhlich meckernde Ziegen, ein knorriger Großvater, der im Grunde herzensgut ist, kurzum: Idylle pur. Zurück zur Natur, back to the roots, deine Welt sind die Berge: Heidi steht für ein un-getrübtes Heimatbild und eine unbeschwerte Kindheit. Doch was steckt hinter dem Klischee der »heilen Welt«? Kann Heidi brauchen, was es gelernt hat? spürt mit dem Instrumentarium der Bergwelt – Alphörnern, Talerbecken, Holzratschen, Tierglocken – einem unentstellten Heimatbegriff nach. Die blinde Großmutter, Fräulein Rottenmeier, der Alpöhi, Dete, der Doktor, Clara, Brigitte, Sebastian, Geißenpeter – alle, mit denen »das Heidi« zu tun hat, vereinigen sich als SängerDarstellerMusikerInnen zum Chor der Versehrten: Erkrankt an sich selbst, an Entwurzelung, an der Zivilisation suchen sie dem Phänomen Heidi auf die Spur zu kommen, das wie kaum etwas Anderes zugleich für Klischee und Wahrhaftigkeit steht.
Das NRW KULTURsekretariat und die KunststiftungNRW gründeten im Mai 2005 den »Fonds Experimentelles Musiktheater«: Ziel ist es, zeitgenössische Musiktheater- Produktionen zu initiieren, zu erproben und zu fördern, die das Wechselverhältnis von Sprache, Musik und Theater-Raum neu befragen und experimentell erkunden.
Premiere
06.06.08 um 20:00 Uhr,
Theater am Alten Markt
Matinee
01.06.08 um 11:15 Uhr,
Theater am Alten Markt
Komponistenportrait
Leo Dick 09.06.
um 20:00 Uhr
OPERN.STUDIO
Musikalische Leitung Engel
Komposition, Inszenierung Dick
Szenographie Tesche
Libretto Ammann
Dramaturgie von Linden,Witzmann
Mit Berger, Bonito Salès, Bühler, Engel, Imholz, A. Klein, M. Klein, Mollnar, Pintaudi, Stoll, Tessmann, Westhausser
Weitere Vorstellungen
14., 15.06.08, jeweils um 19:30 Uhr, Theater am Alten Markt
Werkeinführung jeweils eine halbe Stunde vor Beginn im TAMZWEI
Karten 0521/515454, Theaterkasse Niederwall 23 33602 Bielefeld, Di–Fr 9:30–18:00 Uhr
Sa 9:30–16:00 Uhr
15. April 2008
Am 3. April hatte “Ihre Bohème” an der Neuköllner Oper in einer neuen Fassung von Tobias Schwenke Premiere. Das Arrangement wurde von der Berliner Presse als “klug” und “raffiniert” beschreiben.
Ihre Bohème
Puccinis „Bohème“ in einer Fassung der Neuköllner Oper
von Rainer Holzapfel und Tobias Schwencke
Premiere am 3. April 2008, 20 Uhr
Gemeinhin die große Oper über eine lebenslustige Männer-WG, ist Puccinis Bohème doch zugleich (ab Mimis Auftritt im ersten Akt) ein ergreifendes Drama über die Vergänglichkeit des Lebens und der Liebe, auf der von Anbeginn der Schatten von Krankheit und Tod liegt. In einer Zeit, die das Alter so extrem problematisiert wie sie einem keimfreien Jugendkult huldigt, liest sich Puccini wie ein politischer, musikdramatischer Kommentar. In der Fassung von Rainer Holzapfel sind die Lebenskünstler unserer Bohème in die Jahre gekommen, sie sind Sänger, die ihr ganzes Berufsleben gesungen und mit ihrer Stimme auf der Bühne gestanden haben; nun im „Ruhestand“, will das Leben nicht Ruhe geben, drängen sich Gefühle und Erinnerungen auf: an die großen Partien und Rollen, an die Erfolge und die Emotionen, die sich mit ihnen in den Leib gelagert haben. Unsere Inszenierung geht mit einem Ensemble von fünf alt gewordenen Sängern und zwei Kollegen aus der anderen, jungen Generation auf eine Reise in die Erinnerung und in eine Gegenwart, in der die Körper zwar gealtert, Vitalität und Lebensfreude aber ungebrochen sind. Und konfrontiert es mit einem kleinen, aber dynamischen Orchester unter der Leitung einer jungen Dirigentin.
Nicht nur, aber auch als Kommentar zu den vielen gegenwärtig gezeigten Bohème-Inszenierungen, stellt die Neuköllner Oper ihre Sicht zur Diskussion – und gezielt in eine „Methusalem-Syndrom“ - Debatte, die im starren Blick auf die demographischen und sozialpolitischen Aspekte den Blick auf Würde und Wert des Alters zu verlieren scheint.
Weitere Vorstellungen bis 6. Juni, Neuköllner Oper, Karten: 030 - 68 89 07 77
Presseauszüge:
Berliner Zeitung vom 5. April 2008
Die Methusalem-WG
“Ihre Bohème”: Generation 60plus an der Neuköllner Oper
Wolfgang Fuhrmann
Nostalgie, die Sehnsucht nach dem Vergangenen im Bewusstsein der eigenen Vergänglichkeit, formt den Ton von Giacomo Puccinis unverwüstlicher Oper “La Bohème”. Selbst dem Walzer der lebenslustig-koketten Musette scheint schon im Erklingen die Erinnerung eingeschrieben, und schließlich sollten ja auch Puccinis Hörer auf dem Heimweg etwas zum nostalgischen Nachsummen haben.
Die Idee, das Stück insgesamt als nostalgischen Abend im Altersheim anzusiedeln, hat jetzt die Neuköllner Oper realisiert. Am Donnerstag hatte “Ihre Bohème” Premiere - geschickt angesetzt kurz vor der “Bohème”-Produktion in der Komischen Oper. Vor wenigen Jahren erst gab es im Club der Republik eine Prenzlberg-”Bohème” mit einem zum Trio zusammengesparten Orchester. Nun gibt es also den Methusalemkomplex in Neukölln, wobei die noch halbwegs funktionierenden Rentenkassen eine etwas größere Instrumentalbesetzung erlaubten, im klugen, mitunter raffinierten Arrangement von Tobias Schwencke, dem Mann am Klavier.
Der Clou des Abends ist es, Sänger zwischen 60 und 70 Jahren auftreten zu lassen. Im quadratischen Geviert der Künstler-WG sitzen die Herren anfangs trübe im Nachthemd herum, und werfen sich erst im Laufe der Oper in schicke pastellfarbene Anzüge, sogar Eckhart Hedke als Colline steigt irgendwann aus dem Rollstuhl. Natürlich ist es reizend, wenn Renate Dasch als Musette sich im aufregend roten Fummel ans Klavier lehnt und Schwencke zuraunt: “Halbton tiefer, bitte!”, um sich dann lustvoll vor schrillen Tönen in besagten Walzer zu stürzen; natürlich ist es rührend, wenn ihr Ex Marcello (Volker Schunke) sie zurückerobern will und sich dabei testosterongeladen durch die zum Seniorennachmittag aufgestellten Stuhlreihen wütet.
Man kann seine eigenen Empfindungen überprüfen beim Anblick gealterter Haut und beim Hören gealterter Stimmen; die Oper ist ja immer ein Ort des vokalen Jugendkults gewesen. James Clark als Rodolfo etwa ist immer noch ein rechtes Mannsbild, das sich - eine schöne Idee - seine Mimi, die mädchenhaft wirkende Gabriele Schwabe, erst am Klavier herbeifantasieren muss. Sonst ist Rainer Holzapfels Regie zu diesem Paar nicht so viel eingefallen; der Schluss verzichtet auf das Pathos von Mimis Tuberkulose-Ende und lässt die Geschichte einfach verebben: “Mehr gibt es nicht zu erzählen”, sagt Schwabe. Vielleicht aber doch, wäre auf ein paar Verfremdungs-Mätzchen verzichtet worden; die junge estnische Dirigentin Kristiina Poska etwa wurde zu szenischen Einlagen angehalten, die sie mit ebenso strengem Charme absolvierte wie die musikalische Leitung (ein bisschen mehr Üben hätte vor allem Violine und Viola nicht geschadet). So wirkt die reizvolle Idee einer gerontologischen “Bohème” nicht ganz zu Ende gedacht.
Der Tagesspiegel vom 3. April 2008
OPERN-DOPPEL „Ihre Bohème“ und „La Bohème“
Neukölln vs. Mitte von Udo Badelt
Man könnte meinen, „La Bohème“ sei für Berlin geschrieben worden. Wohin könnte die Geschichte von den vier armen Künstlern, die Manuskripte verbrennen müssen, um ihr Dachzimmer zu heizen, heutzutage besser passen als in das Milieu des digitalen Prekariats von Kreuzberg oder Neukölln? Nach Paris? Da ist das Leben so erstickend teuer, dass die Bohème schon lange weitergezogen ist.
Der reine Zufall will es jetzt, dass mit der Neuköllner- und der Komischen Oper (Foto) gleich zwei Berliner Häuser im Abstand von drei Tagen Puccinis Werk auf die Bühne bringen und dem Publikum so die glückliche Situation bescheren, zwei verschiedene Regieansätze unmittelbar miteinander vergleichen zu können. Allerdings sind sich die Konzepte gar nicht so unähnlich. Beide fragen nach den Lebenswegen der Protagonisten und danach, was aus den jugendlichen Träumen von Freiheit und Kunst später einmal wird. Bei Rainer Holzapfel, der an der Neuköllner Oper bereits erfolgreich Orlando inszeniert hat, werden deshalb Schaunard, Rodolfo & Co. von älteren Sängern verkörpert. Sie blicken zurück auf ihre Karriere und rücken dabei Wert und Würde des Alters wieder ins rechte Licht. Für Andreas Homoki an der Komischen Oper müssen sich die Bohèmiens irgendwann entscheiden, ob sie ins Establishment drängen oder sich in ewiger Opposition lächerlich machen wollen. Auf fast leerer Bühne will er die Zeitlosigkeit des Themas deutlich machen, ähnlich wie Tobias Schwencke in Neukölln die Partitur für sieben Musiker arrangiert hat, um offen zu legen, wie sie emotional funktioniert. Einsparungen allenthalben. Auch das passt gut zu Berlin.
Der Tagesspiegel vom 6. April 2008
Junges Blut und altes Eisen
von Dorte Eilers
Mimì stirbt diesmal nicht. Nicht an diesem Abend in der Neuköllner Oper. Sie wird noch ein paar Jahre weitermachen, bis sie achtzig ist oder neunzig. Wird weiter zusehen, wie das Leben der anderen immer rasanter wird, während ihr eigenes dem Ende entgegenschlurft. Denn die junge, dahinsiechende Kranke aus Giacomo Puccinis Oper „La Bohème“ ist in Rainer Holzapfels Bearbeitung zur alten Dame geworden. In „Ihre Bohème“ (wieder am 6., 9., 12. April, jeweils 20 Uhr) haust Mimì (Gabriele Schwabe) mit Rodolfo (James Clark), Musetta (Renate Dasch), Marcello (Volker Schunke) und Colline (Eckhart Hedke) in einem Seniorenheim für ausgediente Sänger à la Verdis „Casa di Riposo per Musicisti“. Das Besondere: Fast keiner der Darsteller ist hier unter sechzig, so dass Rolle und Realität sich sanft vermischen. Mit diesem Projekt liegt die Neuköllner Oper voll im Trend der theatralischen Verarbeitung des Themas „Alter“. Dazu gehört, dass die Protagonisten des demografischen Wandels auf die Bühne zurückgeholt werden. Holzapfels Ansatz ist dabei nicht das prekäre Leben der Boheme, sondern die mit Mimìs Auftritt einsetzende Geschichte über die Vergänglichkeit des Lebens. Tobias Schwencke hat dafür Puccinis süßlich morbide, vom Vergangenen erzählende Musik auf Kammerensemblegröße (Leitung Kristiina Poska) ausgedünnt, wodurch sie mitunter so klingt, als habe sie ebenso wie die Sänger vierzig Jahre Bühnenerfahrung hinter sich. In diesem Seniorenheim, in dem Schaunard (Wieland Lemke) zum Zivi und Musettas eigentlich ältlicher Lover Alcindor (Dejan Brkic) zum Jungspund wird, rückt einem so die Geschichte über die Zeit, die am Ende noch bleibt, ganz nah.
25. März 2008
Andreas Bodes Inszenierung von Fassbinders “In einem Jahr mit 13 Monden” im Deutschen Schauspielhaus Hamburg begeistert Presse und Publikum gleichermaßen.
Auszüge aus der Hamburger Presse am 22.03.2008
Bode findet einen eigenen, durchweg überzeugenden Zugriff, ohne Fassbinders Film und dessen Düsternis zu imitieren.
(Die Welt, 22.3.08)
Jubeln geht schlecht nach diesem Stück, obwohl alle Schauspieler großartiges leisten, allen voran Jürgen Uter in der Rolle des Transexuellen. Wörtlich wird hier der Text des fassbinderfilms aus dem Jahr 1978 übernommen, auf der Bühne bricht Regisseur Andreas Bode die Erzählweise noch durch musikalische Intermezzi.Die erweisen sich im Nachhinein als die einzigen weniger unglücklichen Rühepole im ansonsten trostlosen Leben von Erwin/Elvira. … Die zurückgefahrene Betroffenheit lässt jetzt ein Theaterstück entstehen, in dem es vor menschlicher Kälte so lange klirrt, bis der Tod alles zum sachlichen Abschluss bringt. Beklemmend gut.
(Dagmar Fischer, Hamburger Morgenpost, 22.3.08)
Was bewog Andreas Bode, Elwiras Passion im Zeiten von Transgender-Aktivismus und Medienhype um Cross-Dresser als epische Szenen-Collage in der verwahrlosten Einkaufszone zu inszenieren? Das Menschenschicksal. Er kann es im intimen Außen-Innen-Raum von Michel Schaltenbrand sozusagen in Nahaufnahme vorführen. Und setzt das Drehbuch in ein zwischen Bericht, Rückblende und Spiel albtraumhaft oszillierendes Erzähltheater um, öffnet darin Parallelen zum kalten Sozialklima heute, zu emotionaler wie wirtschaftlicher Verarmung.
(Hamburger Abendblatt, 22.3.08)
O-Ton eines Zuschauers:
Das war brillant. Vielen Dank für eine unglaublich dichte und kreative Inszenierung mit tollen Schauspielern.”
(Besucher an das Team nach der Premiere)
11. März 2008
Premiere am Gründonnerstag, dem 20. März 2008, um 20 Uhr im Deutschen Schauspielhaus Hamburg. »In einem Jahr mit 13 Monden« ist die Passionsgeschichte eines Menschen, der seine Identität verliert. Fassbinders Film entstand 1978 und gehört zu seinen persönlichsten Werken.
Andreas Bode nähert sich dem Stück aus der Perspektive des Musiktheaters: Fassbinders eindringlichen Textcollagen werden Chormusik aus verschiedenen Epochen gegenübergestellt. Dadurch entsteht ein oratorienhaft anmutender Schauspielabend, der das Schicksal der Hauptfigur anhand verschiedener essenzieller, letzter Begegungen - mit alten Freunden, Lieben und der Familie - nachzeichnet.
Weitere Vorstellungstermine sind:
21.03.2008, 20 Uhr
29.03.2008, 20 Uhr
30.03.2008, 20 Uhr
Karten erhalten Sie im Deutschen Schauspielhaus unter 040 / 24 87 13 oder im Internet unter www.schauspielhaus.de
20. Februar 2008
Ort: Haus der Berliner Festspiele
Öffentliche Generalprobe am Do 6.3. um 20 Uhr. Vorstellungen am Fr 7.3. um 20 Uhr und am Sa 8.3. um 18 Uhr.
Weitere Vorstellung in Köln am Do 20.3. um 20 Uhr
Funkhaus am Wallratplatz, Klaus von Bismarck Saal
Hommage à Klaus Nomi – a songplay in nine fits
für Countertenor, Schauspieler und Ensemble (2007/2008) UA/AW
Olga Neuwirth, Idee/Komposition/Arrangement
Thomas Jonigk, Text
Ulrike Ottinger, Regie
Helga Utz, Dramaturgie
Raaf Hekkema, Instrumentierung barocker Zwischenmusiken
Lillevan, Live Video Performance
Yoshio Yabara, Ausstattung
Andreas Harder, Lichtregie
Titus Engel, musikalische Leitung
Andrew Watts, Countertenor
Marc Bischoff, Schauspieler
musikFabrik
Er sieht aus wie nicht von dieser Erde und hört sich noch seltsamer an … Von der Musik geht eine seltsame, furchterregende Faszination aus. Mit äußerster Vorsicht zu erforschen.
New Musical Express, 1981
Die Stimme – ein Countertenor, das Aussehen – ein Alien, das Repertoire – eine krude Mischung aus Klassik und Pop: Olga Neuwirth war seit ihrer Kindheit von Klaus Nomi in den Bann gezogen, beeindruckt vom Streben Nomis nach Wahrhaftigkeit in dem von ihm geschaffenen Kunstraum aus glamouröser Hyperstilisierung, Coolness und Betroffenheit. Sie vollendet mit ihrem songplay eine langjährige Beschäftigung mit dem Künstler, die vor zehn Jahren mit einer Hommage in Form von vier Liedern begann.
Das songplay in nine fits, das Gesang, Musik, Sprache und Bild zu einem Ganzen zusammenfügt, beleuchtet die verschiedenen Facetten Klaus Nomis. Es ist als Reverenz gedacht vor einem Menschen, der sich selbst erschuf: Klaus Sperber, 1944 im bayrischen Immenstadt geboren, kam mit seinen spektakulären Auftritten 1978 zur Welt als Klaus Nomi, eine androgyne Traumfigur aus der Zukunft, die dem melancholischen und peinvollen Verlauf der Zeit mit ironischen, närrischen und verträumten Songs entgegentrat. Das Trockeneiswabern auf den New Yorker Kellerbühnen mutierte durch sein Erscheinen in das Beben fremder Galaxien, und das Publikum ließ sich willig ein auf seine sensiblen und intelligenten Interpretationen. Berührend war und ist aber vor allem die tiefe Humanität Nomis, auch wenn sein Werk nur stückhaft erhalten ist, weil ihn seine Aids-Erkrankung zu früh aus dem Leben riss.
Auftragswerk von Kunststiftung NRW, musikFabrik und MaerzMusik | Berliner Festspiele. Koproduktion MaerzMusik | Berliner Festspiele, musikFabrik, London Contemporary Opera und Grand Théâtre de Luxembourg. In Zusammenarbeit mit Berliner Künstlerprogramm des DAAD.
Mit Unterstützung durch Hauptstadtkulturfonds.
Dank an Joey Arias/Klaus Nomi Estate und Andrew Horn.
12. Februar 2008
Am Samstag, den 16. Februar um 19 Uhr dirigiert Titus Engel erneut das Projekt “Im Sog der Klänge” bei ECLAT in Stuttgart. Ort: T1
Programm
Wolfgang Rihm
Skoteinos
Heraklit-Fragmente für drei Stimmen und drei Posaunen
Uraufführung
Giovanni Gabrieli
Sonata XVIII à 14 bearbeitet für Streicher und Posaunen
Günter Steinke
ZugUmzug für Posaunenquartett
Uraufführung
Rebecca Saunders
soliloquy für sechs Stimmen
Martin Smolka
Haiku-Psalm für drei Stimmen und drei Posaunen
Uraufführung
Cesario Gussago
Sonata XVII La Terza à 8 bearbeitet für Streicher und Posaunen
Enno Poppe
Abend für Männerstimmen und vier Posaunen
Bernhard Gander
horribile dictu für Stimmen, Streicher und Posaunen
Interpreten:
Neue Vocalsolisten
Ensemble Resonanz
Composers Slide Quartet
Leitung: Titus Engel
21. Januar 2008
Titus Engel ist Ko-Dirigent von Peter Rundel am Theatro Nacional der São Carlo in Portugal. Zusammen erarbeiten sie “Das Märchen” von Emmanuel Nunes.
Eine Produktion mit dem Remix Ensemble und dem Orquestra Sinfonica Portuguesa in der Regie von Karoline Gruber. Termine und Informationen unter: www.saocarlos.pt
25. November 2007
Am 30. November im Radialsystem und am 1. Dezember im Ballhaus Naunyn leitet Titus Engel das Projekt “Im Sog der Klänge” mit dem Ensemble Resonanz, dem composers slide quartet und den Neuen Vocalsolisten Stuttgart.
Nicht allein die Tatsache, dass mehrchöriges Musizieren selten und dann eher in Zirkeln Alter Musik zur Aufführung kommt, sondern auch die Absicht, Raumkonzepte unserer Tage neu zu hinterfragen, nimmt “Im Sog der Klänge” zum Anlass, erstmalig richtungweisende mehrchörige Werke der älteren Musikgeschichte neben Raum-Klang-Auftragswerken zu präsentieren, die sich an der Tradition der Mehrchörigkeit orientieren.
Im Sog der Klänge beschäftigt sich mit der vierhundert Jahre alten Praxis der Mehrchörigkeit, die durch die Einbeziehung des Kirchenraums in die musikalische Aufführung kennzeichnet ist. Neue Kompositionen sind für Besetzungen entstanden, wie sie die “alten” Werke notwendig machen: für Posaunen, Sängerinnen und Sänger und Streicher. “Im Sog der Klänge” befragt die Sinnhaftigkeit von Klang- und Musikbewegungen im Raum neu.
Dabei geht es nicht um den rhetorischen Gehalt wie in der Renaissance oder im Barock, sondern vielmehr um die Suche nach neuartigen Ausdrucksformen von räumlichem Klangfluss sowie räumliche Korrespondenzen von Musik. Die Werkideen kommen ohne Einsatz von Elektronik aus, was Möglichkeiten in Bezug auf Klangfarbenentwicklung, Integration der horizontalen wie vertikalen Ebene, Kreis- und andere Bewegungen im Raum, Polyphonie, Polyrhythmik, Klangpaare, Schichtungen oder Echoeffekte eröffnet. Mit den Auftragswerken regt “Im Sog der Klänge” Komponisten an, eine ähnliche Einheit zwischen Klangbewegung und musikalischer Aussage herzustellen, wie es die Altvorderen zu Wege brachten. Der Ausgangspunkt “Mehrchörigkeit” lässt Tradition zu und öffnet neuen Klangraum – Klang als Bewegungsspur.
Radialsystem, Fr 30.11.2007 , 20 Uhr
Ballhaus Naunyn, Sa 01.12.2007, 20 Uhr